Fernkurs „Praktischer Betriebswirt“ qualifiziert für Leitungsaufgaben.

Auch zwei Crailsheimer Migrantinnen sind erfolgreich

Sieben Teilnehmer/-innen haben im Juli die Prüfung zum Praktischen Betriebswirt am Kolping-Bildungszentrum Crailsheim (KBZ) bestanden. Jahrgangsbeste ist Stefanie Kohn aus Wieseth, Landkreis Ansbach, mit einem Notenschnitt von 1,9. Der Gesamtschnitt des Kurses liegt bei 2,5. „Damit haben unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine gute Leistung gezeigt“, sagt Axel Schmidt, Leiter des Kolping-Bildungszentrums Crailsheim, anerkennend. Besonders freut er sich über den Erfolg von Sevgi Cesur und Gönül Memis aus Crailsheim, zwei Teilnehmerinnen mit Migrationshintergrund. Die beiden Frauen wollen ihren Abschluss mit einem großen Familienfest feiern. Zwei weitere Kursteilnehmer machen im Herbst noch eine Nachprüfung.

Der Fernlehrgang "Praktischer Betriebswirt, Praktische Betriebswirtin (KA)“ ist gedacht für alle, die eine Berufsausbildung durchlaufen und jetzt Führungs- und Leitungsaufgaben übernehmen oder sich selbstständig machen wollen. Der Kurs dauert 18 Monate. Zwölf Lehrbriefe vermitteln umfassende kaufmännische Grundkenntnisse fürs Studium zu Hause, zusätzlich findet an 15 Samstagen Präsenzunterricht statt. Der nächste Kurs startet im März 2012 beim Kolping-Bildungszentrum Crailsheim.


Über das Kolping-Diplom „Praktische/r Betriebswirt/-in“ freuen sich Sevgi Cesur, Gönül Memis, Tobias Schmidt, Elke Horlacher, Stefanie Kohn, Simone Beckenbauer (ab 2. von links) Ganz links Axel Schmidt, rechts Kursleiter Holger Pennekamp. Es fehlt Elke Vennemann. (Foto: KBZ)

Hauptschulabschluss ebnet Wege in den Beruf

Jessica Janzer, Sandra Schulz, Raffaela Pergola (v. li.) von der BvB-Maßnahme am Kolping-Bildungszentrum Crailsheim haben den externen Hauptschulabschluss gemacht. Es fehlt Loreen Idada Omokha. Rechts Lehrerin Daniela Markert. Foto: Monika Hotel-Kosmalla


Vier Frauen zwischen 18 und 24 Jahren haben nachträglich den Hauptschulabschluss geschafft. Nach zehnmonatiger Vorbereitung beim Kolping-Bildungszentrum Crailsheim legten sie die Schulfremdenprüfung an der Leonard-Sachs-Schule erfolgreich ab.

„Ich kann es noch nicht wirklich glauben“, sagt Raffaela Pergola. Die 22-Jährige hält ihr Hauptschulzeugnis in Händen, der Schnitt ist 2,2, das kann sich sehen lassen. „Es wurde Zeit, etwas aus meinem Leben zu machen“, freut sie sich. Denn ohne Schulabschluss hat man schlechte Karten bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Eine richtige Ausbildung gibt’s ohnehin nur mit Abschlusszeugnis. Jetzt ist Raffaela in der Bewerbungsphase. Rechtsanwaltfachangestellte, Immobilienkauffrau oder sonst ein Büroberuf – alles käme in Frage. Und die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz ist nun auch richtig gut.

Das Kolping-Bildungszentrum Crailsheim bietet den Vorbereitungskurs für die Externe Hauptschulabschlussprüfung im Rahmen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) seit 2009 an. Das sei eine Vorgabe der Agentur für Arbeit, erläutert Axel Schmidt, Leiter des Kolping-Bildungszentrums Crailsheim: „Jeder BvB-Teilnehmer, der noch keinen Hauptschulabschluss hat, hat einen Rechtsanspruch auf entsprechende Vorbereitung.“

Während der zehn Monate, die ein BvB-Kurs dauert, erhalten Prüfungswillige jeweils vormittags Unterricht in den prüfungsrelevanten Schulfächern. Die Unterrichtsfächer richten sich nach den Ergebnissen der Eignungsanalyse, mit der gleich zu Beginn der Maßnahme die individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten ermittelt werden. „Wir legen Wert auf offenes Arbeiten“, sagt Grund- und Hauptschullehrerin Daniela Markert, die bei Kolping die Hauptschulklasse der BvB-Maßnahme betreut. Man wolle die oft schulmüden Teilnehmer nicht überfordern.

Trotz anfänglich hoher Motivation gibt es durch persönliche oder gesundheitliche Belastungen immer wieder Durchhänger. Pädagogin Markert und die Bildungsbegleiter beim Kolping-Bildungszentrum bieten Hilfe an: „Wir bemühen uns, alle am Ball zu halten.“ Bei vier von fünf Prüfungskandidatinnen hat das nun geklappt.

Für die Externe Hauptschulprüfung wurden sie beim Staatlichen Schulamt in Künzelsau angemeldet. Bestimmte Voraussetzungen gibt es nicht, allerdings hat man maximal zwei Versuche, um den Hauptschul-Abschluss zu bekommen. Wer beispielsweise schon an der Hauptschule durchgefallen ist, hat nur noch diese eine weitere Chance. Aber die kann genutzt werden.

Die Prüfung selbst wurde dann an der Leonard-Sachs-Schule in Crailsheim abgelegt. Sie ist für die Externen umfangreicher als für die normalen Hauptschüler, die ja aus dem letzten Schuljahr schon eine Anmeldenote mitbringen. Für die Schulfremden heißt das: Schriftliche und mündliche Prüfungen in Deutsch, Mathematik und Politisch-wirtschaftliche Bildung, wobei alle Themen der 9. Klasse abgefragt werden können. Außerdem wird noch eine Präsentationsprüfung verlangt. Die externen Kandidaten müssen eine zehn bis 15 Seiten umfassende Projektmappe ausarbeiten und ihr Projekt rund 30 Minuten lang präsentieren und in einem anschließenden Prüfungsgespräch erläutern.

Die Themen sind grundsätzlich frei, müssen aber vom Schulamt bzw. von der prüfenden Schule genehmigt werden. Aktuell befassten sich die Präsentationen mit geschichtlichen Themen. Jessica Janzer beschäftigte sich mit dem Luftschiff Hindenburg. Sie recherchierte die Baupläne des Zeppelins, dessen Einsatz in Frieden und Krieg und zeigte das Ende des Zeppelinbaus beim Unglück von Lakehurst. Loreen Idada Omokha ging der Geschichte der farbigen Sklaven in den USA nach. Raffaela Pergola hatte als Thema die Person Adolf Hitlers, seine Biografie, Besonderheiten im Leben, frühe Anzeichen für die sich später so furchtbar auswirkende Ideologie.

Nun haben vier Teilnehmerinnen die Externe Hauptschulprüfung mit Notenschnitten zwischen 1,7 und 3,2 geschafft. BZ-Leiter Axel Schmidt ist hocherfreut: „Diese Leistung hat eine besondere Anerkennung verdient.“ In Anlehnung an die Praxis an staatlichen Schulen erhalten die Schülerinnen mit Preis- und Belobungsdurchschnitt vom Kolping-Bildungswerk ein Buchgeschenk.

 

 

 

 

 

Samstag, 4. Februar 2012
Qualitätsgemeinschaft