Semesterauftakt 2011: "Auf den Spuren des Lichts"

Ingrid Weiß, Bettina Reichmann,Kerstin  Müller(v.l.)
Ingrid Weiß, Bettina Reichmann und Kerstin Müller (v.l.) inszenierten ein ansprechendes Programm zum Thema Licht. Foto: kbw

Über 40 Gäste im Heinrich-Fries Haus blieb zunächst ganz im Dunkeln darüber, was sie „Auf den Spuren des Lichts“ erwartete. Die ersten Verse der Genesis ließ Sprecherin Kerstin Müller aus dem Off erklingen, Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ illustrierte diese ersten Worte musikalisch. Laternenschein und Fahrradleuchte, durch kräftige Pedaltritte der Lektorin erzeugt, erhellten die Szene, in der Goethes Prometheus den Göttern trotzt. Der uralte Sagenstoff vom Feuerbringer und Erwecker der Menschheit kam sehr modern daher: rezitiert auf einem Fahrradsattel und begleitet von Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite.

Die Stunde, in der sich Müller zusammen mit Ingrid Weiß, Leiterin des Studium Generale „Kultur des Abendlandes“ und der Musikwissenschaftlerin Bettina Reichmann „auf den Spuren des Lichts“ bewegte, reichte längst nicht aus, um alle Aspekte des Phänomens Licht zu erhellen. Der Inszenierung, die die drei im Heinrich-Fries-Haus zum Semesterauftakt des Studiengangs „Kultur des Abendlandes“ präsentierten, gelang aber eines ganz sicher: Hinter diesem breitgefächerten Thema Fragen aufzuwerfen, denen man auf den Grund gehen möchte. Antworten kann das interdisziplinäre Studium geben, das Kolping-Bildungszentrum und Opens external link in new windowKatholische Erwachsenenbildung (KEB) in Heilbronn vor drei Jahren gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Es geht jetzt in eine neue Runde.

Schauspiel im Dunkeln: Lichtertänze.
Lichtspiele.
Die Heilbronner Majoretten traten für die Abendland-Gäste auf.
Majoretten.
Nach dem Kunstgenuss: Plausch und Imbiss im Heinrich-Fries-Haus.
Gäste.
Die Heilbronner Sprecherin Kerstin Müller präsentierte eine Gedichte-Auswahl zum Thema Licht.
Kerstin Müller.

Wie das Wissensspektrum für neugierig Gewordene in den sechs Studiensemestern aussehen kann, haben die Macherinnen der Auftaktveranstaltung am Beispiel Licht vor Augen geführt. 
Einfallsreich stellten sie Gegensätze nebeneinander. Fast übergangslos ließen sie optische und akustische Reize aufeinander folgen, stellten Joseph von Eichendorffs „Zwielicht“ ein Polarlicht-Video zur Seite, konfrontierten antike Optik-Lehren mit aktuellen Licht-Definitionen aus den Immissionsschutzrichtlinien und setzten Ingeborg Bachmanns anrührendem Gedicht „An die Sonne“ in Beziehung zu Mozarts Requiem „Lux aeterna“.

Photosynthese und Lichttherapie, die biologische Bedeutung des Lichts für das Leben auf der Erde, Betrachtungen über die gesellschaftliche Relevanz von Licht und die spirituelle Erfahrung der Erleuchtung – all das führte den Besuchern der Veranstaltung vor Augen, aus welch vielfältiger Sicht Kulturphänomene betrachtet werden können.

Neun Absolventen des Studiengangs, die sich mit der abendländischen Literatur und Kunstgeschichte, mit Musik und Naturwissenschaften von der Antike bis in die Neuzeit beschäftigt haben, nahmen von Ingrid Weiß ihre Zertifikate entgegen. Beschenkt wurden sie zu ihrem Studienabschluss mit – Licht. Die Heilbronner Majoretten schwangen insbesondere für sie das Tanzbein und ihre Leuchtstäbe. Eine unterhaltsame, beschwingte Überraschung, für die Ingrid Weiß und Norbert Hackmann von der KEB dankten.


Interdisziplinäres Studienangebot „Kultur des Abendlandes“

Studium Generale: Kultur des Abendlandes heißt der interdisziplinäre Studiengang, den das Kolping-Bildungszentrum Heilbronn in Zusammenarbeit mit der Opens external link in new windowKatholischen Erwachsenenbildung im Stadt- und Landkreis Heilbronn (keb) durchführt. Ihre Nachbarschaft in der Heilbronner Bahnhofstraße nutzen die beiden Bildungsträger bei diesem Projekt.

Auf akademischem Niveau führen namhafte Referenten durch die Abendländische Kulturgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit. Exkursionen und Werkbetrachtungen vertiefen dabei das Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge.

In sechs Semestern widmen sich die Teilnehmer den Themenbereichen Geschichte, Religion und Philosophie, Architektur, Malerei und Plastik, Musik, Literatur, Naturwissenschaft und Technik. Pro Studieneinheit sind 15 Termine und eine Exkursion vorgesehen. Studientag ist der Dienstag Nachmittag von 16 bis 19.15 Uhr. 


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Initiates file downloadVertrag
Opens external link in new windowKursübersicht: Kultur des Abendlandes

 



Kreativ das Leben bewältigen

Prof. Dr. Rainer Holm-Hadulla
Rainer Holm-Hadulla. Foto: kbw

Dem Genie auf der Spur
Was ist die Triebfeder für Kreativität? Dieser Frage geht der Mediziner, Psychiater und Autor Rainer Holm-Hadulla am Beispiel Goethes nach. Der Heidelberger Kreativitätsforscher sprach zum Auftakt des neuen Semesters im interdisziplinären Studiengang Kultur des Abendlandes, den das Kolping-Bildungswerk und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) gemeinsam anbieten.

Fallstudie
Mit seinem Werk „Leidenschaft. Goethes Weg zur Kreativität“ begibt sich der Autor und Wissenschaftler Holm-Hadulla aus gutem Grund auf das Feld der Literatur. Nicht nur, weil er selbst seit seiner Studienzeit Goethe-Liebhaber ist. Auch aus ganz praktischen Erwägungen: Der Wissenschaftler bezeichnet das Genie Goethe in dessen Werken, Briefwechseln und anderen Dokumente als den „bestüberlieferten Fall eines Menschen überhaupt“.

Werk-Einsichten
Tief ist der Professor in dieses Leben eingedrungen. In seinem Vortrag stellte er Verbindungen her zwischen Kindheit und Alter des Dichterfürsten, zwischen den Dramen, Gedichten und Briefen. Dabei entstand das Bild eines immer wieder von Krisen erfassten, empfindsamen und hochbegabten Menschen, den Liebesverbindungen aus der Bahn warfen, der neben seinem künstlerischen Werk ein tätiger politischer Zeitgenosse war, der immer wieder depressive Verstimmungen erfuhr und zeitlos-tiefsinnig schrieb.

Gesundheitsfördernd
Dieses Schreiben, der eigentliche kreative Akt, so Holm-Hadullas These, sei nicht möglich ohne all die negativen Erfahrungen wie zum Beispiel den Tod der geliebten Schwester. Es fand statt im Spannungsfeld von Ordnung und Chaos. Schreibend bewältigte Goethe das Leben, als eine Überlebensstrategie „transformierte“ der Dichter das, was ihn umtrieb. Durchaus gesundheitsförderlich, urteilte der Referent.

Hochbegabte
Er führte das Gelingen dieser Bewältigungsstrategie darauf zurück, dass sich der Dichter Zeit ließ, seine Krisen zu bedenken – schreibend, spazieren gehend. Holm-Hadulla leitete aus Goethes kreativer Strategie Bedingungen ab, die er bei vielen außergewöhnlich Begabten fand: Eine überdurchschnittliche Erinnerungskultur, die sich schon in früher Kindheit in der Fähigkeit, auswendig zu lernen, zeigt. Die Tatsache, dass es feste Bezugspersonen gibt, die unterstützend wirken. Oder die Beobachtung, dass Genies stabile Phasen haben, in denen sie fest im Leben stehen – um den Preis, dass sie in solchen Zeiten nicht kreativ sind.

Zitatsicher
Erst das Leiden ermöglicht die künstlerische Arbeit. Für Goethe belegte der Referent dies unter anderem damit, dass der Dichter aus Liebesbeziehungen floh - um umso leidenschaftlicher über sie zu schreiben. Über 50 Interessierte waren der Einladung in die Aula des sozialwissenschaftliche Gymnasium im Klosterhof gefolgt. Viele hätten dem exzellenten Redner noch lange zuhören können und genossen den Vortrag mit Exkursen in die Neurobiologie und  frei eingestreuten Zitaten.


Samstag, 4. Februar 2012
Qualitätsgemeinschaft