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Samstag, 03.12.2016 20:12  – 

ELLWANGEN | Ministerialdirektorin Grit Puchan hat im Z-Gebäude den Bewilligungsbescheid für die Eata überreicht


Ellwangen sz 

9,2 Millionen Euro bekommt die Stadt von EU und Land für die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie (Eata) in der Kaserne. Den Bewilligungsbescheid hat am Donnerstag Ministerialdirektorin Grit Puchan vom Landwirtschaftsministerium an Oberbürgermeister Karl Hilsenbek überreicht.

So viel Zuschuss habe die Stadt noch nie bekommen, nicht einmal zu D-Mark-Zeiten, sagte Hilsenbek, der überzeugt ist, das Geld ist gut angelegt. In der europäischen Ausbildungs- und Transferakademie werden junge Menschen aus europäischen Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit, aber auch Flüchtlinge für eine Ausbildung qualifiziert. Sie lernen Sprache, Kultur und handwerkliche Fähigkeiten, werden gezielt aufs Berufsleben vorbereitet und beim Einstieg in den Beruf begleitet.

6,3 Millionen Euro der Kosten muss die Stadt selbst stemmen. Dafür werden in den Z-Bau mit über10000 Quadratmetern Nutzfläche 198 Appartements mit Sanitärzelle und Kochnische eingebaut, dazu Lehrsäle, Büros, Aufenthalts- und Gemeinschaftsräume. Das Geld soll sich durch Mieteinnahmen refinanzieren. Bis es soweit ist, vergeht noch Zeit. Die Architektenleistungen mussten europaweit ausgeschrieben werden, Bewerbungsschluss war am 30. November, im Dezember will die Stadt erste Gespräche führen. Der Umbau soll dann Ende 2017 beginnen.

Es sei richtig, den ländlichen Raum zu stärken, betonte der OB und verwies auf die bayerischen Nachbarn, die mit Ansbach und Nördlingen zwei Städte zu Oberzentren erklären, die kaum größer seien als Ellwangen.

Die Akademie werde einen wichtigen Beitrag leisten, um jungen Menschen Berufs- und Sozialkompetenzen zu vermitteln, sagte Grit Puchan. Sie passe zu den Zielen des Landwirtschaftsministeriums, das den ländlichen Raum stärken wolle. Er sei das Rückgrat des Landes. Es gebe einen Mangel an Fachkräften und Auszubildenden: „Wir müssen Initiative ergreifen, um Abhilfe zu schaffen.“ Sie bedankte sich für den Mut, „so etwas Großartiges zu leisten“.

Etwas Neues wagen

Es sei Aufgabe der Kommunalpolitik, Ideen wie die Ausbildungsakademie zu entwickeln, betonte Landrat Klaus Pavel. Zum Innovationsraum Ostalb gehöre auch die Eata, die auch eine humanitäre Aufgabe erfülle: „Es kann uns nicht kalt lassen, dass in Griechenland, Spanien, Bulgarien oder Rumänien 50 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind und hier finden die Betriebe keine Fachleute.“ Die Gesellschaft sei auch dazu da, etwas Neues zu wagen. Den Erfolg könne man in fünf oder zehn Jahren messen. Dann sei die Eata eine zukunftsweisende Einrichtung geworden.

Die Antwort auf den Fachkräftemangel werde in Ellwangen gegeben, sagte Klaus Vogt vom Kolping-Bildungswerk, das die Ausbildungsakademie betreiben wird. Mit der Eata habe man etwas konzipiert, das Vorbildcharakter haben könnte. In halb Europa sitze die Jugend auf der Straße. Das Kolping-Bildungswerk habe Erfahrung, wie man sie für den deutschen Arbeitsmarkt begeistere. Das sei nicht ganz einfach. Nun müsse man noch die Wirtschaft ins Boot holen, um Praktikums- und Ausbildungsplätze anzubieten: „Wenn der Dreiklang Wohnen, Ausbildung und Arbeitschance gelingt, dann gelingt die Eata.“

Neue Nutzung für die Kaserne

2013 wurde bekanntgegeben, dass der Bundeswehrstandort Ellwangen geschlossen wird. Es war der älteste in Baden-Württemberg.

Damit stand die Stadt vor der Frage, wie sie 40 Hektar stadtnahes Gelände neu nutzen könnte. Um den Kommunen zu helfen, deren Standorte geschlossen wurden, legte das Land ein kommunales Konversionsentwicklungskonzept auf. Ein Ergebnis war, auf dem Gelände einen Bildungscampus einzurichten. Ein Teil davon ist die Europäische Ausbildungs- und Transferakademie. Mit dieser Idee haben sich Stadt und Landkreis für das Programm Regiowin beworben und den Zuschlag bekommen. Für die Akademie wird das Z-Gebäude für 15,6 Millionen Euro umgebaut. Daran beteiligen sich der europäische Fonds für regionale Entwicklung mit 6,6 Millionen Euro und das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum mit 2,6 Millionen Euro.

Pressemitteilung zur Überreichung des Bewilligungsbescheids